Wie alles begann ...

Wo soll man da anfangen? Bei jedem Einzelnen, der neugierig war auf das neue, angeblich alles Alte in den Schatten stellende Medium? Oder dem, der nach Abschluß des Arbeitslebens neue Kontakte suchte, oder der verstehen wollte, worüber die Kinder sich unterhielten und die Enkel nicht weg zu kriegen waren. Der darüber staunte, was man alles aus dem Internet herausholen kann: Wer ist der erste Nachfolger von Petrus? Klick, Klick, Klick und noch ein paar weitere Mausklicke und man hat es auf dem Bildschirm!

Wenn man gelernt hat, die Klicks mit der Maus auf die richtigen Symbole oder Schriftzeichen des Monitors zu machen! Gleicht der im fernen Australien geborene erste Enkel Oma oder Opa? Ein Foto, angehängt an eine E-Mail und man kann sich Minuten nach der Fragestellung am Kaffeetisch schon darüber streiten. Solche oder ähnliche Erlebnisse oder Motive waren bei den über 80 meist älteren Gasthörern der hiesigen Uni, die der Einladung zu einem Vortrag

"Internet, was ist das?"

im Wintersemester 1998/1999 gefolgt waren, stärker als die Schwellenangst vor dem unbekannten Medium. 17 davon bildeten im April 1999 den ersten Internetkurs. Viele von ihnen hatten noch nie an einem PC gesessen oder nur ganz wenig Erfahrung damit. So mußte die ersten Wochen erst mal gelernt werden, wie man den Computer startet oder ausschaltet, wie man mit der Maus oder der Tastatur Programme aufruft und mit ihnen arbeitet. Man mußte verstehen lernen, was man so alles anstellen konnte, wenn man ungewollt eine falsche Taste gedrückt oder mit der Maus an eine falsche Stelle geklickt hatte und wie man das ganze wieder korrigieren konnte.

Die Angst etwas falsch zu machen, ging immer mehr verloren und nach ein paar Wochen konnten die meisten nach eigenem Geschmack die ersten Internetseiten aufrufen und die ersten E-Mails schreiben. Dem ersten Kurs an der Uni folgten weitere. Auch an der Hildesheimer Volkshochschule liefen seit geraumer Zeit PC- und Internetkurse für Senioren, jeweils betreut von den Herren Zander (Uni) und Hille (VHS).

Auf deren Anregung hin bildete sich Anfang 2000 ein Arbeitskreis aus einigen Kursteilnehmern mit dem Ziel, in der VHS einen Internet-Treffpunkt für ältere Menschen einzurichten, um sich zwanglos vor den Computer setzen zu können und erstmalig damit umzugehen. Die Sache wurde ein Erfolg. Nicht zuletzt deshalb, weil die Leute, die den Treffpunkt nutzten, von Herrn Brinkhoff, einem erfahrenen und verständnisvollen Experten betreut wurden. Auch ehemalige Kursteilnehmer, die erst kurz vorher ihren Lernprozeß mit dem Computer hinter sich gebracht hatten und deshalb gut die Anfangsschwierigkeiten kannten, standen zur Verfügung und halfen den Neuen, die ihren zu überwinden.

Heute ist das Internetcafé (cafe.kom), das im Herbst 2000 eröffnet wurde, eine ständige Einrichtung in der Volkshochschule Hildesheim.

Sie können dort von Montag bis Donnerstag von 16.00-18.00 Uhr hereinschauen, Fragen stellen, erste Schritte am Computer tun, sich dabei helfen lassen oder einfach nur um einen Kaffee zu trinken und mit den Betreuern zu klönen. Dort tagt auch seit Anfang 2001einmal wöchentlich 2 Stunden ein offener Arbeitskreis (z.Zt.10-15 Personen), die ihre Computer-Erfahrungen austauschen und sich bei Problemen damit gegenseitig helfen.

Den Schwerpunkt dieses Arbeitskreises bildet die Erstellung eines Internetportals für Senioren. Das erste Portal wurde im Spätsommer 2001 mit großem Einsatz ins Netz gestellt und inzwischen vollständig erneuert. Was sie jetzt sehen und lesen können, hat viel Zeit, Anstrengung und Diskussionen gekostet; hat aber auch Spaß gemacht, weil man sich in der Gruppe näher kennengelernt hat und in Gelassenheit zu diskutieren pflegt.

Haben Sie Lust, schauen sie Dienstags morgens (10:00-12:00 Uhr) mal rein.

Das erste ganz große Ereignis der Internet-Treffpunktgruppe unter der Leitung der Herren Zander und Hille war, das Senior-Info-Mobil nach Hildesheim zu holen. Der zweistöckige Bus mit 7 Internetplätzen begleitet von mehreren Tutoren stand dann tatsächlich vom 12.-15. September 2000 auf der Lilie, einem Freigelände hinter dem Rathaus. Weitere 8 Internetplätze waren im Rathaus eingerichtet - und an die 1000 Hildesheimer/Innen surften zum ersten Mal, hörten Kurzvorträge z.B. "Reiseplanung- und Buchung im Internet" oder besuchten zweistündige Schnupperkurse in der VHS.

Natürlich ging das alles nicht, ohne die Öffentlichkeit auf die Computer- und Internetaktivitäten der Gruppe aufmerksam zu machen. Deshalb wurden ab 2000 in viertel-jährlich stattfindenden Foren, zu denen alle über 50-jährigen Hildesheimerinnen und Hildesheimer eingeladen wurden, gemeinsam mit der Uni und der VHS über den Stand und die Entwicklung der gemeinsamen Arbeit und die Angebote der Uni und der VHS berichtet.

Die Resonanz auf diese Veranstaltungen genügte, um die Anzahl der Aktiven ständig zu vermehren.

R. Eilinghoff © 04/2002  

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