Der Funke

 

Immer wenn sie in den Schwarzwald fuhr, nahm sie auch an den Wanderungen teil, die dort vom örtlichen Kurverein angeboten  wurden.

Der Wanderführer war ein strammer Kerl und hatte die 50 schon überschritten.  Er überprüfte seine Schäfchen, die sich pünktlich am Kurhaus versammelten auf gängige Schuhe, und scheute sich nicht, einige zurückzuschicken, mit den Worten   „kumsch halt andermol widder.“

Darüber hinaus sagte er zu einigen, Du wirst schwitzen, zieh man den Pullover lieber aus.  Also er führte das Regiment und das nicht nur in deutscher Sprache und per Du, sondern auch in der Sprache seiner Schützlinge. Französisch lag ihm besser – die Schweiz lag ja um die Ecke und vielleicht war er mal im Welschland auf Montage.

 Aber sein Englisch -   katastrophal – doch so wahnsinnig viel hatte er ja nicht zu sagen – also     philosophische Gespräche mussten nicht geführt werden und in der Gruppe befanden sich immer – wie gesagt, die Schweiz liegt nahe – mehrsprachige Mitglieder.

Ihr, die es im sanften Bremen nur mit so genannten Warmduschern zu tun hatte,  gefiel diese raue, ja oft auch rüde Art.   Sie mochte den Wanderführer, sie hatte es gern, wenn Männer bestimmen und genoss die Art, sich anzuschließen ohne sich groß äußern zu müssen. Man glaubt es kaum, aber manchmal sehnen sich Emanzen geradezu nach einem Diktat.   Und das war hier immer gegeben.

Im dritten Jahr ihres Urlaubs nahm sie auch an den anspruchsvolleren Wanderungen teil, die nicht nur tunden mäßig länger waren, sondern auch vom Gelände dem Wanderer einiges abverlangten.

Es ging schon gegen Abend zu und sie, die beim Steigen  etwas mit dem Atem zu kämpfen hatte, befand sich als Letzte auf dem Anstieg.  Mit verklebten Haaren, irgendwie fertig, die Beine schwach, kam sie oben an.  Da schaute der Wanderführer zu ihr hin, ging auf sie zu und sagte – wie siehst Du denn aus…..   Und dann sammelte er die ganzen Kletten von ihrem Körper, vom bekleideten Körper natürlich.  Er griff immer wieder zu und sagte, nun wollen wir das Mädchen doch wieder schön machen. Und als er die 48. Klette von ihr nahm, da sprang der Funke über.

Oft muss man solange warten.

Es gibt ja auch so ein blödes Sprichwort  Unverhofft kommt selten oder oft.

 

 

Mila Nabel