Das Lama

Er hieß Gospodin und war todunglücklich, weil man ihm sein Lama weggenommen hatte.

Diese Schweine von Greenpeace hatten das eingefädelt, weil sie meinten, dass dem Lama die Kellerstufen nicht zuzumuten wären. Da lebte er in einem Abbruchhaus und er hatte noch so viel Heu auf Lager und das Lama war weg.

Das Lama war seine Liebe und sein Lebensunterhalt. Er zog mit ihm durch die Straßen und manch einer steckte ihm einen Euro zu, aus Tierliebe, nicht etwa, weil es ihm, einem Menschen dreckig ging, nein, das spielte ja keine Rolle.   Und so hatten sie beide ihr Auskommen.

Und jetzt war das Lama weg.   Ein Kumpel benachrichtigte seine getrennt lebende Ehefrau, die Grundschullehrerin war und im Notfall handelte.

Olga kam mit einem Vertrag, den er hätte unterschreiben sollen. Es war ein Arbeitsvertrag, der ihn verpflichtete, Prospekte auszutragen für wenig Geld.  Notgedrungen unterschrieb er mit wunden Augen vom Heulen um das Lama.   Wenn er wenigstens wüsste, wo es untergebracht war, aber nicht mal das, ließen sie ihn wissen.  Das Lama war weg. Dabei hatte er Philosophie studiert aber das half nun auch nicht mehr, denn das Lama war endgültig weg.

Er erinnerte sich an das Evokationsrecht – würde er das einfordern können, wer würde ihn für voll nehmen, würden die nicht sagen, such dir ein anderes Lama, er wollte aber kein anderes.

Seine Frau würde die Scheidung einreichen, aber dann bekäme er wenigstens Hartz vier und das würde vielleicht für einen Esel reichen – aber ein Esel ist kein Lama und er wollte sein Lama wieder haben.

Ja, das wollte er und Prospekte sollte austeilen, wer das wollte.  Er doch nicht, aber da lag die Kopie des unterschriebenen Vertrages und morgen schon, um 9 Uhr sollte er antanzen.

Ihm wurde schlecht, er übergab sich.  Was für Prospekte, das spielte schließlich auch eine Rolle, aber davon war im Vertrag keine Rede, Prospekte halt, einfach Prospekte.

Er Gospodin, verheiratet mit einer Lehrerin, bewandert in vielen Sprachen, tierliebender Lebenskünstler, er sollte Prospekte verteilen ?   Das war das Letzte, was man  von ihm verlangen konnte und doch hatte er unterschrieben. Zwangsunterschrieben sozusagen – das wurde ihm klar und ihm wurde auch klar, dass er allein aus der Sache nicht mehr raus kam.

Und da begann er den Suizid zu planen…..schuld war einzig und allein das fehlende Lama.

Mila Nabel