Er heißt Ludwig und sieht blendend aus.

Ich kenne ihn nur im Anzug und Krawatte. Vor zwei Jahren sah ich ihn zum ersten Mal, da arbeitete er noch unten an der Kasse und ich genoss es, Geld abzuholen, obwohl das schon super peinlich war, wo doch alle Welt die Automaten benutzt. Jetzt weiß ich, dass er oben sitzt, das Fenster seines Zimmers hat Ausblick auf den Marktplatz , ein idyllischer Marktplatz mit vielen Fachwerkhäusern und unheimlich schnuckeligen kleinen Cafe's.

Zwischen l6 und l7 Uhr verläßt er das Gebäude, nur donnerstags nicht, da muss er länger arbeiten. So oft ich kann, setze ich mich in eins der Cafe's und beobachte den Personalausgang der Stadtsparkasse.

Natürlich wechsele ich die Lokale, damit es nicht auffällt, dass ich nur auf ihn warte.

Ich gehe ihm entgegen, was schwer zu kalkulieren ist. Es ist schon vorgekommen, dass ich einen Eisbecher für vier Euro fünfzig nur angegessen habe stehen lassen müssen.

Manchmal geht er völlig in Gedanken an mir vorbei, manchmal sieht er mich an und lächelt, aber heute hat er mich aufgefangen, richtig angefasst und mir auf die Beine geholfen.

Mein Absatz blieb in diesem verdammten Kopfsteinpflaster stecken und da flog ich ihm entgegen.... manno, manno was für ein Zufall und was für Aussichten.

Mila Nabel